Wo Vielfalt selbstverständlich war: Ein Herzensprojekt geht nach fünf Jahren zu Ende
30. März 2026

Ein ganz normaler Nachmittag in der Seelenschaukel

In der vergangenen Woche zeigte sich in der Seelenschaukel einmal mehr, dass feste Rituale, Struktur und Verlässlichkeit zwar wichtig sind sich aber auch verändern und „umziehen“ dürfen
Und dass daraus etwas ganz Wunderschönes entstehen kann. Obwohl die täglichen Rituale mit den Gefühlsmonstern und Kuschelgefühlen ein fester Bestandteil des Nachmittags sind und den Kindern helfen, ihre Emotionen wahrzunehmen, einzuordnen miteinander ins Gespräch zu kommen, entwickelte sich diesmal eine ganz besondere Dynamik. Der gewohnte Kreis fand nicht im Gruppenraum statt, sondern wurde in den Entspannungsrau verlegt. Dort begannen die Kinder mit den flexiblen Sofamodulen (Funzy) eigene Räume für ihre Gefühle zu gestalten. Mit großer Klarheit und Selbstverständlichkeit entschieden sie, wie die einzelnen Bereiche angeordnet sein sollten, welche Lichtstimmung passend ist und welches Kuschelgefühl jeweils „einziehen“ durfte. So entstanden individuelle Orte für Freude, Wut, Traurigkeit und Angst Anschließend tauchten die Kinder aktiv in diese Gefühlsräume ein. Sie erinnerten sich daran, wann sie Angst gespürt hatten, wann Traurigkeit oder Wut besonders präsent waren und wie sich Momente der Freude anfühlen. Dabei erlebten sie ihre Emotionen sehr bewusst und intensiv. Die Zeit verging wie im Flug, und am Ende wollten viele Kinder den Raum kaum verlassen. Schnell wurde deutlich, wie groß ihr Wunsch ist, diese Erfahrung in den kommenden Wochen zu wiederholen. Kinder geben ihren Gefühlen meist ganz selbstverständlich Raum. Sie hinterfragen nicht, ob sie ihren Emotionen vertrauen können sie tun es einfach. Gefühle sind für sie ein verlässliche innerer Kompass, der sie in ihren sozialen Beziehungen leitet. Sie zeigen eine große Vielfalt an Emotionen, die für uns Erwachsene mitunter herausfordernd sein kann Bei den Kindern der Seelenschaukel jedoch ist dieser innere Kompass durch frühe Erfahrungen wie Krieg, Flucht oder andere traumatische Erlebnisse teilweise aus dem Gleichgewicht geraten Gefühle sind für sie nicht immer so verlässlich, wie sie es ursprünglich waren. Gerade deshalb ist die tägliche Arbeit mit den Gefühlsmonstern und Kuschelgefühlen (Juniek Verlag) so bedeutsam. Sie gibt den Kindern einen geschützten Raum, in dem sie ihre Emotionen wahrnehmen, ausdrücken und über alles sprechen können, und in dem sie Schritt für Schritt wieder Vertrauen in ihren eigenen inneren Kompass entwickeln dürfen.


Kirstin Pöhl
k.poehl@lebenshilfe-he-wf.de

 

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